Zukunft Säen
Zukunft Säen in Ingersheim
Bei strahlendem Wetter konnten wir in Ingersheim am Sonnag, dem 2. Oktober den Weizen aussäen. Zukunft säen fand damit zum 4. Mal hier statt. Über 40 Menschen, die meisten aus Ingersheim, einschliesslich dem Bürgermeister, waren gekommen um Impuulse für die Zukunft zu setzen. Georg Willmann begrüsste die Gruppe und erläuterte einleitend warum das Zukunft säen von schweizer Getreidezüchtern vor einigen Jahren initiiert wurde.
Es geht vor allem um die Frage der Pflanzenzüchtung. Der ursprüngliche Weg der letzten Jahrhunderte, oder besser Jahrtausende wurde verlassen, als noch jede Region, jeder Hof, seine Saat für das kommende Jahr aus eigenem Anbau jedes Jahr selbst erzeugte, und dabei das Bewusstsein auf den Erhalt der Qualität legte. Inzwischen ist der jährliche Saatguteinkauf üblich und die Hybridsorten beherrschen das Bild. Hybriden werden aus zwei künstlichen also widernatürlich geführten Inzuchtlinien durch Kreuzung gewonnen. Dabei entsteht durch den sogenannten Heterosiseffekt im ersten Anbaujahr ein sehr ertragreiches und gleichmässiges Ernteprodukt. Das Saatgut daraus kann aber nicht mehr verwendet werden, weil es in alle möglichen Varianten aufspaltet.
Die weitere kommerzielle Entwicklung führte dann dazu, dass beispielweise im Labor auf Radieschen aus rein optischen Gründen das Blatt von Raps aufgezüchtet wurde. Da führte der Weg weiter in die heutige sehr umstrittene Form der Gentechnik. Denn bei den Saatgutfirmen, so Georg Willmann, hat man den Eindruck, dass ihre Sorge zwar dem Saatgut gilt, mehr aber noch ihrer Rendite. Das zeigt das Beispiel des Terminatorgetreides, welches so gezüchtet wurde, dass es bei der Reife seine eigene Keimfähigkeit zerstört, damit es von keinem Landwirt mehr als Saatgut verwendet werden kann.
Die biologisch- dynamische Züchtung dagegen verfolgt den Weg, in Respekt vor dem Wesen der Pflanze und im Hinblick auf die Ernährungsbedürfnisse der Menschen regionale Sorten zu züchten. Dabei werden lebendige Böden und die Kräfte der Jahreszeiten, ja des Kosmos eingebunden. Dies ist der richtige Weg in die Zukunft.
Mit frischen Schwüngen wurde dann der Weizen, der ja erst wenige Wochen zuvor gedroschen worden war, auf den vorbereiteten Acker ausgesät. Anschliessend gab es Apfelsaft und Gebäck aus eben demselben Weizen.
Abschliessend stellte Gothart Willman einige Gedanken vor. Zukunft, sei für viele Menschen mit Ungewissheit und Angst behaftet. Aber wir selber schaffen uns doch die Zukunft. So rief er dazu auf, jede Gelegenheit zu nutzen, die Vielfalt der Natur zu erhalten, durch Anbau von Blumen für die Insekten, durch Vogelschutz und dergleichen. Und wichtig sei es für die Zukunft, immer die Kinder in solche Tätigkeiten im Garten und in der Natur einzubeziehen.
Text: Wolfgang Raddatz