Unsere Feldhecke

Jede Pflanze hat ihre Bedeutung im Zusammenhang der Landschaft. Hecken bereichern die immer größeren und monotoneren Flächen. Wir kennen aus Bildern die öden, fast wüstenartigen Gebiete der großen Ackerflächen etwa in den USA. Es sind verarmte Landschaften. Die Tendenz war auch hier gegeben. Vor 30 Jahren konnte man dann die Biobetriebe leicht erkennen: Es waren Hecken neu angelegt. So sind auch unsere Felder überall dort, wo es möglich ist, mit Hecken umgeben.
Unsere Hecken schützen vor starkem Wind. Die richtige Form ist dabei wichtig. Es darf keine einheitliche „Mauer“ sein, sondern wie ein Kamm geformt, so dass der Wind verwirbelt und gebrochen wird. Sie geben Lebensraum für viele Tiere, seien es Vögel, deren alte Nester jetzt gut sichtbar sind, oder Kleinsäuger oder Insekten. Der Artenreichtum garantiert uns, dass auch viele Nützlinge darunter sind. Bei einem Apfelbaum wurden die Insekten und Spinnentiere einmal ausgezählt, von den knapp 1000 vorhandenen Arten sind nur etwa 20 potentiell „schädlich“.
Unsere Hecken bestehen aus einer Vielzahl heimischer Bäume und Sträucher. Nachdem im vergangenen Winter viele der inzwischen zu großen Bäume gefällt wurden, sind in diesem Jahr nur einige Feinarbeiten nötig. Der Jungwuchs hat sich an einigen Lücken bereits den Platz erobert. Ein Austrieb aus einem Eschenstumpf ist bereits fast 3 m hoch. Und an manchen Stellen haben Kinder die entstandenen Lücken zum Spielen entdeckt.
Die Bäume werden in Steiners Landwirtschaftlichem Kurs als ausgestülpte Erde beschrieben, worauf die Blätter und Blüten fast wie einjährige Pflanzen wachsen.
So kann man doch etwas verstehen, dass der Baum die Erde belebt, indem er sie gewissermaßen hochhebt. Im Baum selbst ist nur eine dünne Schicht unter der äußeren Rinde lebendig. Die Hecke, mit ihren vielen Zweigen, ist damit in der Summe vielleicht sogar noch wirksamer als ein einzelner Baum.
(Text: Wolfgang Raddatz)